Stiftung Lucerna
Tagung 1995

Ungewissheit und das Ästhetische
Die Ungewissheit gehört seit einiger Zeit zu den Begriffen, die die gegenwärtige Denk- und Lebenswirklichkeit kennzeichnen. Ungewissheiten gelten oft als etwas Negatives, doch heute sind sie derart tief ins allgemeine Bewusstsein gedrungen, dass sie eigens bedacht werden müssen. Die Fakten sind wohlbekannt: die Beschleu-nigung aller Prozesse, Hinfälligkeit langfristiger Prognosen, desorientierende Informa-tionsfülle, Zwang zum Risikodenken, neue Medien und neue Technologien, die neue Wirklichkeiten schaffen.

Individuen und Gesellschaft haben bereits erstaunliche Leistungen vollbracht, um mit den neuen Ungewissheiten fertig zu werden. Dennoch wächst der Orientierungsbedarf. Auch werden zunehmend wissenschaftliche Theorien entwickelt, um das Ungewisse positiv einzubeziehen.

Die Tagung soll die Ungewissheit unter dem Aspekt des Ästhetischen erkunden. Kunst und Ästhetik? im Sinne einer «Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis»? haben schon immer einen für sie notwendigen Umgang mit dem Ungewissen gepflegt. In der heutigen Situation ist die Frage zu erörtern, ob dem Ästhetischen die Funktion zukommt, Ungewissheit zu steigern oder auf seine Weise Gewissheit zu stiften.