Stiftung Lucerna
Tagung 1996

Virtualität. Illusion. Wirklichkeit - Wie die Welt zum Schein wurde
Drei Begriffe umschreiben das diesjährige Tagungsthema: Virtualität, Illusion und Wirklichkeit. Die Variation eines Nietzschewortes soll in die Stimmung einführen, in der uns heute die Welt begegnet. Ist sie tatsächlich zum Schein geworden? Sind anstelle der Lebenswelt neue Medienwelten, anstelle der Wirklichkeit nun Bilder und Illusionen getreten? Es ist, als ob das Illusionäre einen Anspruch auf Realität anmelden würde.

Dem steht das anscheinend sichere Wissen der alltäglichen Praxis gegenüber, aller Menschen, die es wie eh und je mit Dingen, Sachen, Objekten und andern Menschen zu tun haben. Und doch auch hier lassen sich die Veränderungen nicht mehr übersehen. Überall arbeitet man an Bildschirmen und Computern; jedes Instrument, das auf den Markt tritt, ist schon veraltet; neue Technologien verändern die ganze Arbeitswelt; die Gesellschaft differenziert sich aufgrund von Wissenskompetenzen, doch auch das Wissen ist transitorisch geworden und stürzt Schulen, Universitäten und Unternehmen in die Krise.

Dem teils euphorischen Aufbruch in die Virtualität und in die Illusionswelten der Medien steht eine grosse Verunsicherung über die «Wirklichkeit» der Welt, der Gesellschaft und auch des eigenen Selbst gegenüber. Man mag diesen Zustand beklagen, doch fordert er auch eine grundlegende Reflexion über das heraus, was bisher als «wirklich» galt. Die Tagung stellt darum die Frage in den Mittelpunkt, ob heute nicht nur ein positiverer Umgang mit Unsicherheit und Ungewohnheit, sondern auch mit Illusion, Vision, Bild und Virtualität angezeigt ist.