Stiftung Lucerna
Tagung 1997

Wie unverzichtbar bin ICH? - Auf dem Weg zu einer neuen Bewusstseinskultur
Wie unverzichtbar bin ICH? Diese Frage verweist auf den bekannten, allzubekannten Ausspruch, dass niemand unverzichtbar sei. Doch die Frage hat einen andern Akzent erhalten, seitdem das Ich ? mit seinen alltagssprachlichen Synonymen Selbst, Subjekt, Person, Individuum ? nicht mehr als ein fester Bezugspunkt des Denkens gilt und in den Verdacht geriet, verzichtbar zu sein.
Zwar wird sehr viel von Selbstverwirklichung und von radikalem Egoismus gesprochen, doch zugleich werden die einzelnen Individuen zur Öffnung angehalten ? zum Team, zu den Neuen Medien, zu den neurologischen und kognitiven Wissenschaften und Techniken und zu dem sich dauernd revolutionierenden und computerisierenden Alltag. So wird von den heutigen Menschen ein verändertes Verhalten zu sich selbst und zu ihren Fähigkeiten gefordert ? eine Forderung, die nur eine neue Bewusstseinskultur leisten könnte. Doch wo sind die neuen Kriterien zu finden? In den Naturwissenschaften, der Medizin, den Informationswissenschaften oder in einer Philosophie, die den aus der Mitte verstossenen Gedanken der Subjektivität neu entdeckt und sich auch von nichtwestlichen Kulturen inspirieren lässt? Der erste Schritt dürfte sein, sich über das Ausmass der sich vollziehenden Revolution unseres inneren und äusseren Lebens zu informieren und sich über die Regionen des Subjekts zu verständigen, wo das ICH und ich selbst ? immer noch oder vielleicht für immer ? unverzichtbar bleiben.