Stiftung Lucerna
Tagung 2000

Was ist der Mensch?
Was ist der Mensch? ? diese Frage ist im Sinne Kants wieder aufzunehmen. Da der Mensch selbst diese Frage stellt, kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. In einer Zeit, in der sich Illusionen und Utopien überlebt zu haben scheinen, werden die kollektiven Programme weiterverfolgt, die auf die Verbesserung der menschlichen Situation, ja auch der biologischen Lebensbedingungen, bis hinein in die genetischen Strukturen, abzielen. Die Fragen der Ethik sind längst in den Bereich vorgedrungen, wo es um eine Art von Transformation des bisherigen Menschen geht. Was der Mensch sei und in welche Lebensformen er sich hineinbewege ? dies sind immer mehr die Fragen, die in den Vordergrund drängen. Die beschleunigten Veränderungen seiner ganzen Lebenswelt, seiner Arbeitsweise, seiner Kommunikationen und seiner natürlichen Umwelt machen es dem Einzelnen zunehmend schwieriger, seine Identität in der Gesellschaft und in seiner eigenen Biographie zu gewinnen. Die totale Herausforderung zwingt zu einer totalen Fragestellung, die sogar bis hin zu der alten Frage nach dem Sinn des Lebens führen kann. Entschieden aber wird das kollektive Schicksal in der Lebensführung und Lebenskunst der Einzelnen. Zu bedenken ist auch, dass der Mensch, der nach sich selber fragt, seine Situation bereits verändert. Die Tagung soll nicht nach einem feststehenden «Wesen des Menschen» forschen und es in einem «Menschenbild» zu fixieren versuchen, sondern die offene Zukunft erörtern, die die Frage Kants: Was ist der Mensch? zu eröffnen ermöglicht.