Stiftung Lucerna
Tagung 2005

Schweiz / Europa - Europa / Schweiz - Vielfalt der Kulturen
Die Vielfalt der Kulturen gilt oft als ein Kennzeichen Europas. Seine Grenzen sind zwar nicht festgelegt, doch reicht es weiter als das Territorium der jetzigen EU. Die Unterschiede der Lebensformen, Rechts- und Steuersysteme, politischen Ordnungen, Sprachen und der geschichtlich bedingten Verhaltensweisen zur eigenen Vergangenheit und zu der sich schnell verändernden Gegenwart bilden zweifellos einen Reichtum an Lebensqualität, aber zugleich auch ein Potential an Spannungen und Konflikten. So scheint jedes europäische Land zu jedem andern Land Europas und vor allem gegenüber der sich konstituierenden Europäischen Union ein besonderes Verhältnis auszubilden. Auch gewaltsame Konflikte sind an verschiedenen Orten latent. Vor die Fragen der kulturellen Substanz werden heute die europäischen Bevölkerungen durch den Kontakt mit der islamischen Kultur und der Immigration nicht-europäischer Menschengruppen gestellt.

Die Schweiz, als Kleinstaat äusserst vielfältig in seinen Kulturen, steht vor denselben Problemen. Sie gilt im Gesamten als europaskeptisch. Die politisch Verantwortlichen vermeiden eine klare Stellungnahme, so dass keine rationale Diskussion zum Prozess der Europäisierung zustande kommt, der grundsätzlich umfassender ist als bloss die Frage über einen Beitritt zur EU. Damit sei angedeutet, dass es eines neuen Ansatzes bedarf, um über die Schranken nationalstaatlichen Denkens hinauszukommen – nicht nur in der Schweiz, sondern auch in allen Staaten, die sich trotz allen Vorbehalten europäisch nennen.


ReferentInnen


Prof. Dr. Franz Blankart
Staatssekretär a. D.
Pampigny (VD)

Prof. Dr. Iso Camartin
Freier Publizist
Zürich

Prof. Dr. Francis Cheneval
Professor am Philosophischen Seminar
Universität Zürich

Prof. Dr. Herfried Münkler
Professor für Politische Theorie
Humboldt-Universität zu Berlin

Prof. Dr. Thomas Maissen
Professor für Neuere Geschichte, Schwerpunkt: Frühe Neuzeit
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Dr. Rudolf Meyer
Präsident der Stiftung Lucerna

Prof. Dr. Kerstin Odendahl
Professorin für Völker- und Europarecht
Universität St. Gallen




Tagungsprogramm


25.11.2005

9:00 - 9:15
Begrüssung durch den Präsidenten der Stiftung
Dr. Rudolf Meyer

9:15 - 10:30
Heimat Europa?
Prof. Dr. Iso Camartin

11:00 - 12:15
Trennende Ähnlichkeiten und anziehende Gegensätze: die Schweiz, die EU und Europa
Prof. Dr. Francis Cheneval

14:30 - 15:45
Europarechtliche Instrumente zur Wahrung der kulturellen Vielfalt
Prof. Dr. Kerstin Odendahl

16:15 - 17:30
Europas unscharfe Grenzen als politische Herausforderung. Über einige Differenzen zwischen der Schweiz und dem verfassten Europa
Prof. Dr. Herfried Münkler

26.11.2005

9:00 - 10:15
Sonderfalls Mühe mit der Normalität. Nachträge zum eidgenössischen Geschichtsbild
Prof. Dr. Thomas Maissen

10:45 - 12:00
Helvetisches Europa
Prof. Dr. Franz Blankart

12:15 - 13:00
Plenum