Stiftung Lucerna
Tagung 2009

Die politische Macht der Bilder

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Im Rahmen des Projektes «Bildverlust in der Wissensgesellschaft» widmet sich die zweite öffentliche Tagung der Frage nach dem Zusammenhang von Bild und Politik. Ziel der Tagung ist es, die Interdependenz von Bild und Politik aus interdisziplinärer Perspektive sichtbar werden zu lassen. Dazu werden bildtheoretische Zugänge gewählt und solche aus philosophischer, literarischer, filmschaffender und historischer Sicht.

Dass Bilder Politik machen wie auch, dass Politik mit Bildern gemacht wird, ist ein ebenso evidenter wie zunehmend aktueller Befund. Offen ist, ob sich das politische Interesse am Bild auf bestimmte Bildgattungen beschränkt oder ob sich Bilder dazu eignen, diese Beschränkung in Frage zu stellen. Die Bevorzugung bestimmter Bilder und bestimmter Bildtypen zu politischen Zwecken setzt ein oftmals ebenso bestimmtes wie Unartikuliertes Bildverständnis voraus. Als gemeinsamer Nenner der meisten im weitesten Sinne «politisch» zu nennenden Bilder kann ihre Eignung zur Kritik, zur Aufklärung oder auch zur Propaganda vermutet werden. Inwieweit dies für Bilder gilt, die weder aus politischen Motiven entstanden sind, noch prima vista einen politischen Bezug erkennen lassen, ist eine Frage der Bildinterpretation und der Konstellation des Bildes in seiner jeweiligen Geschichte und Umwelt. Zudem muss und kann nicht jede politisch relevante Realität zwingend in Bildern reproduziert werden. Der permanente Bildtransfer, die instantane Umsetzung möglichst aller Ereignisse in Bilder schüren aber die Illusion, dass sich alle «Wirklichkeiten, in denen wir leben», nicht nur die politischen, in Bildern darstellen, bzw. visuell wiederholen lassen. Der Einsatz von Bildern führt dann aber nicht selten zu mehr als zu einer blossen Abbildung der – politischen – Wirklichkeit: denn Bilder sind nicht (nur) Zeugnisse – also Zeichen – für die Geschehnisse, sondern sie werden heute mehr den je selber Teil des Geschehens, als opinion maker, als Spiegel, als Interventionisten, als Initiatoren neuer Aktionen. Aus den «Bildern des Krieges» kann dann etwa ein «Krieg der Bilder» werden, der neue Realitäten schafft. Dies gilt nicht nur für mediale Übermittlungen von Ereignissen, sondern auf sublime Weise auch von Kunstbildern (Wortbilder eingeschlossen), das gilt nicht nur für Dokumentarfilm, sondern auch für «das vom Blut fette Schwert» des Andreas Gryphius oder die Guernica Picassos. Nicht nur die Frage, wie viel Bild die Politik benötigt, stellt sich, sondern auch die, wie viel Politik die Bilder ertragen. Bilder werden durch ihren Produktions- und Verwendungskontext politisiert; der politische Gebrauch der Bilder unterwirft die Kompositionselemente des Bildes (Inhalt, Struktur, Figuration, Farbe etc.) dem Massstab ihrer politischen Verwendbarkeit.


ReferentInnen


Harald Bergmann
Filmemacher
Berlin

Prof. Dr. Dietrich Erben
Professor für Architektur, Kunst und Design
Ruhr-Universität Bochum

Dr. Peter Geimer
Oberassistent für Wissenschaftsforschung
ETH Zürich

Prof. Dr. Gerhard Paul
Historiker
Universität Flensburg

Prof. Dr. Rolf Reichardt
Geschichts- und Kulturwissenschaften
Universität Giessen

Prof. Dr. Enno Rudolph
Philosoph
Universität Luzern

Prof. Dr. Martin Seel
Philosoph der Ästhetik
Universität Frankfurt

Prof. Dr. Martin Warnke
Kunsthistoriker
Hamburg/Marfurt




Tagungsprogramm


4.12.2009

9:00 - 9:15
Begrüssung durch den Präsidenten der Stiftung
Dr. Rudolf Meyer

9:15 - 9:30
Einführung
Prof. Dr. Enno Rudolph

9:30 - 10:45
Die Angst vor den Bildern
Prof. Dr. Martin Warnke

11:15 - 12:30
Kriegs-Bilder: Bilder des Krieges - Krieg der Bilder
Prof. Dr. Gerhard Paul

14:00 - 15:15
Nicht-Verstehen als Widerstand
Harald Bergmann

15:45 - 17:00
Die mediale Konfigurierung eines Ereignisses - der 11. September 2001
Prof. Dr. Dietrich Erben

5.12.2009

10:15 - 11:30
Ikonisierende Medienwechsel am Beispiel französischer Revolutionskarikaturen
Prof. Dr. Rolf Reichardt

12:00 - 13:15
Zeigen? Nicht zeigen? Ikonographie des Äussersten
Dr. Peter Geimer

13:15 - 14:30
Narration und (De-)Legitimation. Filme über den zweiten Irakkrieg
Prof. Dr. Martin Seel

14:30 - 15:45
Plenum





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